Animal Aided Design am praktischen Beispiel

Siedlungsgebiete eignen sich besonders für die Förderung der Biodiversität. Mit dem Konzept des Animal Aided Design schafft freiraumarchitektur bei der Wohnsiedlung Salzweg in Zürich einen attraktiven Aussenraum – auch für Kleintiere und Insekten.

Die Biodiversität leidet und die Gründe dafür sind weithin bekannt. Der Einsatz von Pestiziden und Dünger, die Zersiedelung und der Bau vieler versiegelte Flächen sind nur einige Faktoren, die sich negativ auf den Lebensraum von Tieren und Pflanzen auswirken. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde das Konzept des Animal Aided Design von dem Landschaftsarchitekten Dr. Thomas Hauck und dem Biologen Dr. Wolfgang Weisser entwickelt.

Animal Aided Design kurz erklärt

Mit dem Konzept des Animal Aided Design werden bei der Umsetzung von Bauprojekten in Siedlungsgebieten die Bedürfnisse von Menschen sowie auch jene von wild vorkommenden Kleintieren und Insekten betrachtet, lokal aufeinander abgestimmt und so die Ansiedlung bestimmter Arten gefördert. Die Ansprüche dieser Arten werden von Anfang an in den Planungsprozess einbezogen und sind somit ein integraler Bestandteil der Aussenraumgestaltung. Die Vorteile dieser Förderung liegen auf der Hand. Unersetzliche Ökodienstleistungen, wie beispielsweise das Bestäuben von Obstbäumen, bleiben bestehen. Zudem führt mehr Biodiversität auch zu krankheitsresistenteren Pflanzen und verringert so den Einsatz von Pestiziden.

Die Wohnsiedlung Salzweg in Zürich – ein Pionierprojekt von freiraumarchitektur

Aus dem damaligen Wettbewerbsprogramm ging klar hervor, dass die Wohnsiedlung Salzweg in Zürich nicht nur für menschliche Bewohnende attraktiv sein soll. Das Büro freiraumarchitektur überzeugte mit seiner langjährigen Erfahrung in der ökologischen Aussenraumgestaltung und gewann zusammen mit der Zimmermann Sutter Architekten AG den Wettbewerb. 

Biodiverse Stadt Salzweg Zürich

In der Ausführungsplanung setzt freiraumarchitektur nun zum ersten Mal auf das Konzept des Animal Aided Design. Mit einer umfangreichen Standortanalyse wurden die klimatischen Bedingungen und die vorhandenen Lebensräume vor Ort bestimmt. Auch bereits vorkommende Arten sowie jene, die ein Potenzial zur Ansiedlung haben, konnten eruiert werden. freiraumarchitektur bestimmte so 6 Arten, darunter die gefährdete Lauch-Maskenbiene. Ihre Bedürfnisse fliessen nun in die Planung ein. Die Lauch-Maskenbiene soll beispielsweise verschiedene Laucharten als Nahrungsquelle vorfinden. Ihr wird zudem Totholz für die Fortpflanzung zur Verfügung stehen. Animal Aided Design endet aber nicht bei der Planung. Auch die Pflege des Aussenraums wird angepasst. Mit einer extensiven Pflege und liegendem Laub und Holz soll die Ansiedlung nachhaltig gelingen. Um ein friedliches Nebeneinander zu garantieren und die Erfolgschancen zusätzlich zu erhöhen, wird die Anwohnerschaft aktiv in den Planungsprozess einbezogen. Neben einer Bildungskomponente steigert dieses Vorgehen auch die Akzeptanz der tierischen Mitbewohner.

Das Konzept des Animal Aided Design ist vor allem deshalb so wertvoll, weil es sich in praktisch jedem Projekt umsetzen lässt. Durch die Vielseitigkeit mikroklimatischer Verhältnisse im Siedlungsraum gestaltet sich die Artenauswahl und der damit verbundene Aufwand äusserst flexibel. Selbst mit geringem Budget lässt sich also einiges ausrichten. Für freiraumarchitektur ist dieses Konzept definitiv ein sinnvolles Instrument, um in allen Projekten eine ökologische Komponente einzubinden.

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https://animal-aided-design.de/ (Quelle)
Bild: BfN Skript 595 – Animal-Aided Design